Insights - Multichannel Transformation

18. Oktober 2023

Interview Joachim Lindner und Philippe Ernoul | Multichannel Fulfillment Centre | Zahlen und Fakten

METRO hat sich im Zuge der sCore-Strategie 2022 ambitionierte Ziele gesetzt – und die Verdreifachung der Belieferungsgeschäfts bis 2030 ist sicher eines der ambitioniertesten davon.

Um dies zu erreichen, müssen die Belieferungskapazitäten innerhalb unseres weltweiten Netzwerks massiv ausgebaut werden – und hierzu spielen insbesondere unsere Großhandelsmärkte eine zentrale Rolle. Denn es gilt, unsere bestehende Infrastruktur optimal zu nutzen und die Märkte - neben dem Ausbau spezialisierter Depots – als Logistikplattformen für den stationären Einkauf wie auch für die Belieferung weiterzuentwickeln. Was aber genau bedeutet das für die Märkte, was sind hierfür für Anpassungen nötig und was bringt das im Ergebnis unseren Kunden? Diese Fragen wollen wir im nachfolgenden Experteninterview sowie durch eine Infografik genauer beleuchten. Zudem haben erneut einige interessante Facts & Figures zum Thema zusammengestellt. Viel Spaß beim Lesen!

„Wir verwandeln unsere Großhandelsmärkte in leistungsstarke Multichannel-Plattformen“

Kernelement der Wachstumsstrategie von METRO ist die Transformation des Unternehmens in einen Multichannel-Großhändler, der seine Kunden sowohl vor Ort im Markt als auch bei der Belieferung und auf dem digitalen Marktplatz optimal bedient. Ein wesentlicher Aspekt hierfür ist die Umwandlung der stationären Großmärkte in sogenannte Multichannel Fulfillment Centre (MFC), um die betriebliche Effizienz und Lieferkapazität der Märkte als Warenlager und Belieferungsplattformen signifikant zu erhöhen. Die Kunden profitieren davon sowohl durch eine verbesserte Warenverfügbarkeit, einen effizienteren Einkaufsprozess sowie ein höheres Serviceniveau bei der Belieferung.

Wir haben Joachim Lindner, Leiter Multichannel Network Transformation (MNT) bei METRO sowie Philippe Ernoul, verantwortlich für das Thema Multichannel Fulfillment Centre, zum Konzept und den damit verbundenen Veränderungen befragt.

Mit der sCore-Strategie hat sich METRO ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt, insbesondere soll sich der Lieferumsatz bis 2030 verdreifachen. Was hat das mit unseren Märkten zu tun?

JOACHIM LINDNER: Um die im Rahmen von sCore gesetzten ehrgeizigen Ziele zu erreichen, insbesondere die Verdreifachung des Lieferumsatzes bis 2030, müssen wir die Transformation von METRO zu einem Multichannel-Großhändler beschleunigen. Ein sehr wichtiger Schritt ist hierbei die Umwandlung des bestehenden Netzes von Großmärkten und Belieferungs-Depots in hochleistungsfähige Plattformen für das Multichannel-Geschäft, und das weltweit.

Dafür haben wir einen strategischen Fahrplan aufgesetzt, um die erforderliche Infrastruktur zielgerichtet aufzubauen und damit das nachhaltige Wachstum des Liefergeschäfts voranzutreiben, ohne durch Kapazitätsengpässe gebremst zu werden. Dabei konzentrieren wir uns unter dem Schlagwort „Sweating-the-Asset" in erster Linie auf die Umwandlung unserer bestehenden Großhandelsmärkte in Multichannel Fulfillment Centre (MFC). Darüber hinaus erweitern wir unser Netzwerk aber auch um neue, vollwertige Zustelldepots, wo die durch die MFCs verfügbaren Zustellkapazitäten die Nachfrage noch nicht decken können.

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff "Multichannel Fulfilment Centre"?

PHILIPPE ERNOUL: Die Grundlage der Multichannel-Transformation unserer Märkte ist ihre konsequente Großhandelsausrichtung, so dass sie in vollem Umfang zur Umsetzung der sCore-Wachstumsstrategie von METRO beitragen können. Dabei umfasst die MFC-Implementierung im Kern 3 Schlüsselbereiche: Das Flächenmanagement, das Bestandsmanagement und die In-Store-Logistik. Beim Flächenmanagement liegt ein Hauptaugenmerk auf der vereinfachten Produktpräsentation von Großverpackungen direkt auf Paletten, die zusammen mit einem großhandelsorientierten Sortiment und einer großhandelsorientierten Preisgestaltung ein noch einfacheres und effizienteres Warenhandling im Markt ermöglicht. Zweitens digitalisieren wir derzeit unsere Lagerverwaltung durch ein digitales Warenwirtschaftssystem, welches sowohl die Transparenz als auch das Serviceniveau für unsere Kunden in den Märkten und bei der Belieferung weiter verbessern wird. Drittens optimieren wir das Store-Layout neben kaufmännischen auch unter logistischen Gesichtspunkten, um das Einkaufserlebnis der Kunden vor Ort sowie unsere Produktivität bei der Kommissionierung weiterzuentwickeln.

In vielen Märkten wird bereits heute außer Haus geliefert, was genau ändert sich hier?

Joachim Lindner: Bei allen MFC-Transformationsprojekten investieren wir in die Erweiterung und Optimierung der Belieferungszonen in unseren Märkten. Wir haben für jeden Markt eine individuelle Zielstruktur definiert, die sich vor allem in der Größe der spezifischen Belieferungsbereiche und der separaten Kühlzonen unterscheidet. Dabei bestimmen wir die richtige Größe, das Layout, die Infrastruktur sowie die Prozesse für jeden einzelnen Standort auf der Grundlage der logistischen Umschlagskapazität, der Merkmale der Kundenbestellungen und der Spezifikationen der letzten Meile, die von diesem Standort aus beliefert wird. Das MFC-Konzept ermöglicht es uns hierbei, Synergien zwischen dem stationären und dem Liefergeschäft zu nutzen, da wir die Logistik für beide Kanäle über einen integrierten Prozess und eine integrierte Organisation abwickeln. Dies führt zu einer Produktivitätssteigerung, zum Beispiel bei der Warenannahme, dem Nachschub und der Lagerverwaltung.

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Wurde das Konzept bereits umgesetzt und gibt es Best-Practice-Beispiele?

Philippe Ernoul: Wir haben das MFC-Konzept bereits in 14 Ländern eingeführt und werden es in den kommenden Monaten sukzessive auf weitere Länder ausdehnen. Der Stand der Umsetzung ist dabei von Land zu Land unterschiedlich. Polen zum Beispiel war eines der ersten Pilotländer und hat inzwischen alle Märkte auf das neue Konzept umgestellt – mit sichtbarem Erfolg. So führt die Digitalisierung und Optimierung von Prozessen nicht nur zu einem effizienteren Filialbetrieb, sondern auch zu einer besseren Warenverfügbarkeit und einem verbesserten Servicelevel in der Belieferung. Ähnliche Verbesserungen sind auch bei den jüngsten Implementierungen in Sofia, Turin und Bilbao zu beobachten.

Darüber hinaus harmonisieren wir unser IT-Prozesse in enger Zusammenarbeit mit unserer hauseigenen IT-Unit METRO Digital, wobei wir die operative Erfahrung unserer lokalen Teams in Polen, Rumänien, Spanien und Ungarn eng einbeziehen. Dieses harmonisierte System wird nun flächendeckend ausgerollt.

Gilt das Konzept für alle Geschäfte und Länder?

Joachim Lindner: Ja, grundsätzlich werden alle Märkte in MFCs umgewandelt - allerdings ist der Umfang und das Ausmaß der Veränderungen sehr unterschiedlich. So haben wir im Zuge der Multichannel Network Transformation (MNT) alle METRO/MAKRO-Länder und -Standorte im Hinblick auf ihr Marktpotenzial und den Bedarf der individuellen Standortentwicklung untersucht. Das kann von der Großhandelsoptimierung sowie Digitalisierung von Prozessen als gemeinsame Basis über strukturelle Anpassungen eines Markts bis zum Bau eines komplett neuen Depots reichen – letzteres wird allerdings nur in besonders nachfragestarken Metropolregionen der Fall sein.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Umsetzung des MFC-Konzepts im Wesentlichen auf der optimalen Nutzung der vorhandenen Infrastruktur beruht. Denn das spart nicht nur Zeit und Investitionen, sondern verschafft uns auch einen klaren Standortvorteil, da sich unsere Märkte in der Regel in einer für die Zustellung auf der letzten Meile günstigen Lage befinden, mit direktem Zugang zu den großen Ringstraßen der Städte, die sie bedienen.

Wie hoch werden die Investitionen in den kommenden Jahren sein? Und welche Länder stehen im Jahr 2024 im Fokus?

Joachim Lindner: In den nächsten drei Jahren werden wir insgesamt rund 600 Millionen Euro investieren, um unser Netzwerk zukunftsfähig aufzustellen und so dazu beizutragen, unsere Wachstumsziele bis 2030 zu erreichen. Hierfür werden wir mehr als 150 größere Projekte zur Umgestaltung von Märkten und zur Eröffnung neuer Depots in unserem Netzwerk abschließen. Während alle Länder und auch unsere reinen FSD-Unternehmen ihren Anteil und ihre Projekte an unserem globalen Netzwerkumbauprogramm haben, zielen die größten Investitionsprojekte in der näheren Zukunft vor allem auf die Metropolen wie Paris, Hamburg, Bukarest oder Madrid.

Multichannel Fulfillment Centre

Die Umwandlung der METRO Großhandelsmärkten in Multichannel Fulfilment Centre (MFCs) konzentriert sich im Wesentlichen auf drei Kernbereiche, die nachfolgend näher erläutert werden:

  1. Die Verkaufsfläche wird im Rahmen des Flächenmanagements umgestaltet, um eine klare Fokussierung auf ein großhandelsorientiertes Sortiment, eine großhandelsorientierte Preisgestaltung und eine entsprechende Produktpräsentation sicherzustellen. Dabei wird das Sortiment mit Blick auf die relevanten Artikel für Profikunden optimiert und konsequent auf deren Bedürfnisse ausgerichtet. Vereinfachte und langfristig angelegte Preismodelle wie Buy More Pay Less" (BMPL) schaffen Planungssicherheit und Berechenbarkeit für die Kunden.  Zudem werden Großpackungen direkt auf Paletten präsentiert, um den Kunden ein einfaches und effizientes Handling zu ermöglichen und gleichzeitig die Effizienz der Wiederbefüllung zu erhöhen.

  2. Die vollständige Digitalisierung des Warenwirtschaftssystems wird eingeführt, um die Bestandsverwaltung zu verbessern. Mit den digitalen Werkzeugen und Systemen können die Mitarbeiter in den Märkten Warenbestände kanalübergreifend sowohl im Marktbetrieb als auch im Lieferprozess in Echtzeit kontrollieren und aufrechterhalten. Dies steigert die betriebliche Effizienz als auch die Warenverfügbarkeit, was wiederum zu einem besseren Kundenservice führt.

  3. Da das MFC-Konzept s den regulären Marktbetrieb mit dem Lieferservice verbindet, spielt die vollständig integrierte In-Store-Logistik eine wichtige Rolle, um effiziente ein- und ausgehende Logistikprozesse zu gewährleisten. Insbesondere wird die Kommissionierung für die Auslieferung sowohl für das Picking innerhalb des Markts als auch im ausgewiesenen Schnelldreher-Bereich optimiert, der in Größe und Struktur je nach Lieferkapazität und Nachfragevolumen des jeweiligen Standorts variiert.

Zahlen und Fakten

Wo wird das neue MFC-Konzept bereits umgesetzt, wie viel investiert in die Multichannel Network Transformation und gibt es bereits konkrete positive Resultate? Wir haben ein paar Infografiken mit den Fakten für Sie zusammengestellt.

Das Multichannel Fulfillment Centre (MFC)-Konzept wird derzeit bereits in 14 METRO/MAKRO-Ländern implementiert und in naher Zukunft auch in allen anderen Ländern eingeführt.

Durch die Umstellung auf MFC arbeitet MAKRO Polen nun mit eigenen Multichannel-Nachschubteams sowohl für die Wiederbefüllung der Regale im Markt als auch für die Lieferkommissionierung, und hat damit Produktverfügbarkeit im Regal von 94,8 % auf 98,6 % gesteigert.

Die optimierten Schichtpläne für die Kommissionierung haben bei MAKRO Polen zu einer Steigerung der Kommissionier-Produktivität von 28,2 % auf 32,7 % beigetragen, gemessen an der Anzahl der Picks pro Stunde.

*Daten von 10 MFC-Pilotmärkten bei MAKRO Polen

In den nächsten drei Jahren wird METRO rund 600 Millionen Euro in mehr als 150 größere Projekte zur Umgestaltung von Märkten und die Eröffnung neuer Depots investieren, um ein zukunftsfähiges Multichannel-Großhandelsnetzwerk aufzubauen.

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